Karneval, Fastnacht und Fasching
Als Karneval, Fasching oder Fastnacht bezeichnet man traditionell die Zeit der Ausgelassenheit, Fröhlichkeit und überschäumenden Lebensfreude vor Beginn der christlichen Passionszeit (zwischen Aschermittwoch und Karfreitag / Karsamstag).
Der Begriff Karneval, auch als "5. Jahreszeit" bekannt, kommt aus dem lateinischen und bedeutet "Das Fleisch geht", denn nach christlichem Glauben darf von Aschermittwoch bis Karfreitag kein Fleisch gegessen werden.
Der Brauch, Karneval oder Fastnacht zu feiern ist sehr alt. Schon im 13. Jahrhundert gab es Karnevalsumzüge, und ein Karnevalskönig wurde gewählt. Karneval ist eine Zeit, um einmal richtig lustig zu sein. Man verkleidet sich und zieht bunte Kleider oder Masken an. Dann geht man zu Karnevalsfeiern oder auf Karnevalsumzüge mit großen bunt geschmückten Wagen. Während des europäischen Karnevals des 16. und 17.Jh. stand das ganze ordinäre "Fressen" im Vordergrund. Fleisch zu essen war zu dieser Zeit noch etwas Besonderes und nur zu bestimmten festlichen Anlässen üblich, zudem wollte man die letzten Tage vor Beginn der Fastenzeit am Aschermittwoch noch voll auskosten.
Als Beginn der Fastnachtszeit galt bzw. gilt in den deutschsprachigen Ländern traditionell der Dreikönigstag. In der jüngeren Vergangenheit hat sich indes teilweise eine Vorverlegung auf den 11. November, 11:11 Uhr, eingebürgert. Dass Fasching am 11.11. um 11.11 Uhr beginnt, ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts und hängt wohl damit zusammen, dass die Zahl Elf schon lange als "närrische Zahl" gilt. An diesem Tag "erwachen" die Narren/Närrinnen und beginnen der Fasching.
Die Zahl Elf gilt als Narrenzahl. Der Ruf der Elf als Narrenzahl liegt darin begründet, dass die Elf als Überschreitung der von Gott gegebenen Zehn Gebote gesehen wurde. Da im Mittelalter jeder als Narr angesehen wurde, der die Zehn Gebote überschritt, wurde die Elf zur Kennzahl aller Narren.
Es gibt eine Reihe von Zahlen, denen von seitens der Religion eine besondere symbolische Bedeutung beigemessen wird.
Die Elf gilt dabei als Zahl der Maßlosigkeit, der Sünde, sogar als teuflische Zahl. Bei der Wiederbelebung des rheinischen Karnevals Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die 11 als Zahl interpretiert, die die Gleichheit aller Menschen unter der Narrenkappe versinnbildlicht, sozusagen eins neben eins.
Den Höhepunkt erreicht die Fastnacht in der eigentlichen Fastnachtswoche vom schmutzigen/unsinnigen Donnerstag (von Schmotz = Schmalz, was auf in Schmalz gebackene Fastnachtsküchle hinweist) bzw. Weiberfastnacht über den Nelkensamstag, Tulpensonntag, Rosenmontag bis zum Fastnachtsdienstag, auch Veilchendienstag genannt.
Aschermittwoch ist das Ende der Faschingszeit und der Beginn der 40tägigen vorösterlichen Fastenzeit. Es gibt an vielen Orten die Tradition, dass die Karnevalisten in dieser Nacht eine Strohpuppe, den so genannten Nubbel, als Verantwortlichen für alle Laster der karnevalistischen Tage, vor allem wegen des ausgegebenen Geldes, verbrennen. In Düsseldorf und den niederrheinischen Städten wie Krefeld, Duisburg, Mönchengladbach, Kleve oder Wesel wird der so genannte Hoppeditz zu Grabe getragen.
Der letzte Weg des Hoppeditz
In der letzten Woche bis Aschermittwoch hat fast jeder Tag seinen eigenen traditionellen Namen. Viele davon gehen auf die Gewohnheit zurück, sich vor der Fastenzeit noch einmal den Bauch vollzuschlagen. Am sogenannten Rosenmontag finden vielerorts große Faschingsumzüge statt.
Rosenmontag : Woher der Name "Rosenmontag" kommt, ist nicht eindeutig. Entweder kommt "Rosen" von "rasen" (im Sinne von lustig sein, Spaß haben, herumtollen) und der Name bezieht sich auf das fröhliche Treiben der Narren/Närrinnen.
Faschingsdienstag: In manchen Gegenden Süddeutschlands finden die Umzüge am Faschingsdienstag statt. An der Spitze des Zuges geht hier der sogenannte Butz, eine Art Straßenkehrer. Er macht die Straßen frei für das bunte Treiben der Narren. Um 19 Uhr allerdings fällt der Butz tot um und Fasching ist (fast) vorbei. Abends trifft man sich zum "Faschingsbegraben" und zum Leichenschmaus. Die Gestalt und der Umzug sollen an die Pest erinnern. Der Faschingsdienstag hat also gar nicht direkt mit Fasching zu tun, sondern feiert das Ende der Pest!
Die größten Umzüge finden in den Karnevalshochburgen statt: Köln, Mainz, Düsseldorf, Mönchengladbach, Aachen, Eschweiler, Euskirchen, Erkelenz, Bonn, Koblenz, Krefeld, Duisburg und Dülken.
Populäre und aktuelle Themen aus Politik, Sport, Wirtschaft, Gesellschaft und Stadtleben werden anhand der Persiflagewagen parodiert. Die Gesellschaften mit ihren bunt kostümierten Mitgliedern und Tanzgruppen, die Traditionskorps in ihren Uniformen mit den Kutschen und Prunkwagen, die stattlichen Reiterkorps, die vielen Kapellen und Spielmannszüge aus Deutschland und den Nachbarländern ziehen 4 Stunden an den Zuschauern vorbei, werfen Kamelle und Schokolädcher und feiern sich und ihre Stadt.