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„Die Vergangenheitstempora im Deutschen“

Категория: Немецкий язык

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«„Die Vergangenheitstempora im Deutschen“»

Die Vergangenheitstempora im Deutschen“


1.Inhalt


  1. Inhalt……….……………………………………………...………1

  2. Einleitung………………………………………………………….2

  3. Das System der Tempora………………...…………..…...……….3

  4. Die Zeitformen der Vergangenheit…………...……...……………6

  5. Über das Tempus………………..……………………………….10

  6. Das Präteritum………………………………………………….12

    1. Sprachgeschichte…………………………………………..12

    2. Bildung des Präteritums in Deutschen……….…………….12

    3. Graphische Darstellung……………………….…..………..13

    4. Beispiele……………………………………………………14

    5. Besonderheiten……………………………………………..14

    6. Funktion………………………………………………..…..15

  7. Das Perfekt………………………………………………..…….17

    1. Bildung des Perfekts im Deutschen………………………..17

    2. Beispiele für die Konjugationen……………...……………18

    3. Funktion und Gebrauch des Perfekts im Deutschen……….19

    4. Das Perfekt als Vergangenheitstempus…………….………21

  8. Das Plusquamperfekt..................................................................22

  9. Schlussfolgerung……………………………..…………………..25

  10. Literatur………………………….…………………………26



2. Einleitung


Das deutsche Tempussystem war schon immer Gegenstand der linguistischen Forschung. Dass besonders das Perfekt unter die Lupe genommen wurde, verwundert nicht, denn es hat sich gnadenlos breit gemacht. Es hatte zwar einst einen klar abgegrenzten – perfektischen Anwendungsbereich, setzte sich aber dann dermaßen durch, dass es inzwischen den nächsten Konkurrenten, das Präteritum, fast gänzlich zurückgedrängt hat. Infolge dieses Prozesses, den man „Präteritumschwund“ nennt, dominiert das Perfekt nicht nur seine ursprüngliche

perfektische Anwendungsdomäne, sondern mittlerweile auch die präteritale – die

Anwendungsdomäne des Präteritums. Nun, kann man dieser wohlbekannten Tatsache überhaupt noch etwas Relevantes hinzufügen? Aus meiner Sicht ja. Die einschlägige Literatur bietet trotz der bisherigen Forschung über den temporalen Status des Perfekts kein vollständiges Bild über die Opposition Perfekt vs. Präteritum. Was fehlt, ist meines Erachtens vor allem eine ausführliche Beschreibung des Präteritums – das trotz des Rückgangs anscheinend eine größere Anwendungsdomäne hat als bisher in der linguistischen Literatur angenommen. Wie nämlich unten näher erläutert wird, treten die Präteritumformen nicht nur in typisch präteritalen Kontexten auf, sondern können durchaus auch da vorkommen, wo ihre Bedeutung eher mit der klassischen Perfektbedeutung übereinstimmt und demnach eine Form des Perfekts hervorrufen würde. Dieser Konflikt zwischen Form und Bedeutung, der meiner Diskussion des deutschen Präteritums zugrunde liegt, wird unten präsentiert.








3. Das System der Tempora


Die verbale Kategorie der Zeit ist eine der wichtigsten kommunikativ-grammatischen Kategorien des deutschen Sprachbaus. Sie verbindet das Verb und dadurch den Satz mit dem Redeakt, indem sie die zeitliche Beziehung des verbalen Vorgangs zu dem Augenblick feststellt, wenn der Redeakt vor sich geht (Redemoment).
Eine solche Bezogenheit der grammatischen Kategorie der Zeit auf den Redeakt und den Redemoment bedeutet keineswegs, dass dabei der philosophische Begriff der Zeit als solcher relativistisch und subjektivistisch behandelt wird, wie es N. S. Pospelov behauptet. Wie bei allen kommunikativ-grammatischen Kategorien sind hier der Redeakt durchaus objektiv aufgefasst, als notwendige und den allgemeinen Gesetzmäßigkeiten unterworfene Bedienungen, in welchen der Redeprozess verläuft. Sie hängen nicht von der subjektiven Willkür des Sprechenden ab, sondern bilden die objektiv existierende Achse, die die Sprache mit dem sozialen Geschehen und überhaupt mit der objektiven Welt verbindet und die allein als Grundlage für die Schaffung des Koordinatensystems der grammatischen Zeitformen dienen kann.

Die Zeitformen, deren Zeitbestimmung unmittelbar in Bezug auf den Redemoment erfolgt, nennt man absolute Zeitformen (Zeiten). Im Deutschen sind es Präsens, Präteritum, zum Teil Perfekt, Futur I. Die Zeitformen, deren Zeitbestimmung nur mittelbar und zwar in Bezug auf absolute Zeitformen erfolgt, nennt man relative Zeitformen (Zeiten). Zu ihnen gehören im Deutschen Plusquamperfekt, Futur II und zum Teil Perfekt.

Unmittelbar oder mittelbarsind also alle Zeitformen auf den Redemoment bezogen. Es ist, wie gesagt, die Achse, die dem gesamten temporalen Koordinatensystem des Verbs und der Sprache überhaupt zugrunde liegt.

Die Scheidung der absoluten und relativen Zeitformen wird aber nicht immer ganz aufrechterhalten. So kann auch das Präteritum als Relative Vergangenheit (Vorvergangenheit) auftreten z. B. im Verhältnis zum Perfekt: Die große Industrie hat den Weltmarkt hergestellt, den die Entdeckung Amerikas vorbereitete (Marx, Engels).

So erscheint anderseits das Präteritum als eine "Vorgegenwart" (freilich in Bezug auf den Redemoment) im Satz: Erinnerst du dich noch, wie wir oft nachmittags in dem Garten saßen, wie es recht schön war, wie die Bienen um uns summten, die Linden dufteten und die Sonne von dem Himmel schien? (Stifter). 
Die Relativität der Zeiten kann verschiedenartig sein (Gleichzeitigkeit, Vorzeitigkeit, Nachzeitigkeit). Vom grammatischen Standpunkt aus wird im Deutschen nur die Vorzeitigkeit berücksichtigt. Das Perfekt als relative Zeitform drückt die Vergangenheit in Bezug auf die Gegenwart aus, die durch das Praesens bezeichnet wird (also "Vorgegenwart"): Er kommt, da er die Arbeit beendet hat. Das Plusquamperfekt drückt die Vergangenheit in Bezug auf eine andere Vergangenheit aus, die durch das Präteritum bezeichnet wird (also "Vorvergangenheit"): Er kam, nachdem er die Arbeit beendet hatte. Das Futur II drückt die Vergangenheit in der Sphäre der Zukunft aus, die von dem Futur I bezeichnet wird: Er wird kommen, wenn er die Arbeit beendet haben wird.
  Die Verteilung der absoluten und relativen Zeitformen ist nicht an gewisse Satzformen gebunden. Nicht nur in dem Satzgefüge, sondern auch in der Satzverbindung und sogar in einer Reihe von selbstständigen Sätzen kann die Zeitfolge durch den entsprechenden Gebrauch der Zeitformen ausgedrückt werden. Auch die Reihen folge der Sätze ist dabei nicht festgebunden: Er kam, aber seine Arbeit hatte er noch nicht beendet – Er hatte seine Arbeit nicht beendet, aber er kam doch – Er kam. Seine Arbeit hatte e nicht beendet. Einzelne Zeitformen entsprechen in ihrem konkreten Gebrauch, wie schon angedeutet wurde, nicht immer ihrem allgemeinen Bedeutungsgehalt, der auch in ihren Bezeichnungen einen Ausdruck gefunden hat.

Das bedeutet aber nicht, dass die grammatischen Zeitformen im Deutschen überhaupt keine Daseinsberechtigung haben und bloß dem lateinischen Tempus System nachgebildet sind, wie es L. Weisgerber meint. Weisgerber bezweifelt sogar die Rechtmäßigkeit ihrer Benennungen, da sie seiner Meinung nach temporal zu vieldeutig sind. Er schlägt vor, sie als Stammformen - die erste Stammform: ich komme, die zweite Stammform: ich kam - und Umschreibungen zu bezeichnen. (Weisgerber, 3, 217 – 229.)

In der Wirklichkeit gruppieren sich aber alle Gebrauchsweisen und Bedeutungsschattierungen jeder Zeitform um einen Hauptgebrauch und eine Hauptbedeutung, die der Form ihr charakteristisches Gepräge geben und ihre anderen Gebrauchsweisen und Bedeutungsschattierungen erst verständlich machen. Dabei ist es aber notwendig, die mögliche Homonymie der einzelnen verbalen Strukturen zu berücksichtigen, im Gegensatz zu Weisgerber, der z. B. anscheinend damit nicht einverstanden ist, dass man die Fügung sein + Partizip II verschiedenartig behandelt, je nachdem ob sie von transitiven oder intransitiven Verben gebildet wird (Zustandsform – Passiv).



















4. Die Zeitformen der Vergangenheit


Die temporale Bedeutung des Perfekts und die das Präterits sind im Wesentlichen synonym. Beide sind Zeitformen der Vergangenheit und können absolut gebraucht werden. Im Süden der deutschsprachigen Gebiete wurde sogar das Präteritum von dem Perfekt völlig verdrängt. Doch gibt es in der Literatursprache und in der Umgangssprache des mittleren und nördlichen Deutschlands gewisse Verschiedenheiten in dem Gebrauch dieser Formen.

Das Perfekt ist nicht nur eine absolute, sondern auch eine relative Vergangenheitsform: es bezeichnet die Zeit, die der durch Präsens ausgedrückten Gegenwart vorangegangen ist. Auch als Vorzukunft tritt das Perfekt auf: Deine Älteste, Anneliese, wird sicher ein tüchtiges Mädel, wenn sie die Zeit überstanden hat, die man bei den Knaben Lausebubenjahre nennt (Seghers). Das Perfekt drückt Vorzeitigkeit auch in Beziehung auf verschiedene Bedeutungsschattierungen und Gebrauchsweisen des Präsens, z. B. auf das iterative Präsens aus: (Waldbestände) … werden erst ein wenig dünner, wenn man in die ebene gelangt ist und gegen die wiesen von Scheid hinauskommt (Keller). Die beiden Formen unterscheiden sich auch stilistisch. Das Präteritum wird in zusammenhängenden Erzählungen und Berichten gebraucht, das Perfekt dagegen im Dialog, auch zur Bezeichnung einzelner Feststellungen. Demnach kann in einer Erzählungen oder einem Bericht das Perfekt als eine Konstatierung oder Zusammenfassung auftreten: Mein alter Lehrer hat das alles voraus gewusst. Als wir die erste Nachricht dieser Schlacht erhielten, schüttelte er das graue Haupt (Heine). Es ist mir oft geschehen, dass das arme Herz dadurch von den Dornen zerrissen wurde, wenn es sich nach den Rosenbüschen, die am Wege blühten, hinauslehnte…(Heine).

Diese Tatsache, die schon von Adelung in ihren Hauptzügen erkannt wurde, hängt mit dem Unterschiede in den Funktionen und in dem Bedeutungsgehalte der betreffenden Formen zusammen.

Was seine Funktion betrifft, so erscheint das Perfekt im Dialog als auf den Redemoment bezogen, drückt also die Vergangenheit in Bezug auf die Gegenwart aus, was seinem relativen Wesen entspricht: Papke telefonierte: „Hast du schon gehört, Carl?“ (Bredel.)

Was aber den Bedeutungsgehalt des Perfekts betrifft, so ist es dabei sehr wesentlich, dass das Perfekt sich ursprünglich als eine resultativ-perfektive Form entwickelt hat und dass in manchen Fällen Spuren dieser alten Bedeutung auch in der modernen Sprache bemerkbar sind. Wenn in einer zusammenhängenden Erzählung die einzelnen zur Vergangenheit gehörenden Vorgänge recht verschiedenartig vom Standpunkt der Aktionsart verlaufen, so wird dieser Unterschied zuweilen durch den Wechsel von Präteritum und Perfekt zum Ausdruck gebracht. Das Präteritum bezeichnet dabei gewöhnlich die dauernden, das Perfekt die abgegrenzten, momentanen, resultativen Vorgänge: Er hat sich sofort von mir weggedreht, dachte Franz in seiner Apfelkammer, er ist ans Fenster gegangen, er hat mein kleines Fenster ausgefüllt. Es war Abend, Winter. Ich habe dann das Licht angemacht. Georg saß rittlings auf seinem Stuhl. Sein schönes braunes Harr fiel ihm dicht und starr vom Wirbel ab, er schälte für sich und mich Apfelsinen (Seghers). Sie wusste viele alte Volkslieder und hat vielleicht bei mir den Sinn für diese Gattung geweckt, wie sie gewiss den größten Einfluss auf den jungen Poeten ausübte (Heine).

Verbreitet ist auch das resultative Plusquamperfekt. Bei den zeitlichen Abstufungen der Vorgänge in der Sphäre der Vergangenheit wird als Vorvergangenheit oft eins solcher Vorgang empfunden, der während des Eintritts eines anderen schon vollendet ist: Indessen hatte sich der Regen wirklich gelegt, und die Sonne beschien sogar die weite Gegend (Keller). In den Vordergrund tritt die perfektive Bedeutung in dem Beispiel: Diese Lippen brauchten nur zu pfeifen – und die ganze Klerisei hatte ausgeklingelt (Heine). Das Plusquamperfekt kann auch konstatierend auftreten und sich überhaupt dem absoluten Gebrauch der Zeitformen nähern. Vgl. Während dieser Zeit war Gritli wie von der Erde verschwunden, man sah sie nirgend und hörte nichts von ihr, so eingezogen lebte sie (Keller). Doch ist eine solche aktionsartgemäße Differenzierung der Zeitformen der Vergangenheit keineswegs immer vorhanden. Häufiger wird der Wechsel von dauerhaften und abgeschlossenen Handlungen grammatisch nicht ausgedrückt: Fritz Mengers, aschfahl, sah plötzlich zu Hardekopf hin. Ihre Blicke begegneten sich für Sekunden. Aber dann tat Mengers das Unbegreifliche, er wandte sich wieder dem Ofen zu, setzte ruhig die Schutzbrille auf und starrte in den Tiegel, verrichtete seine Arbeit. Da durchfuhr Hardekopf Schreck und Entsetzen! (Bredel)

Das Plusquamperfekt dient oft seinerseits zur Bezeichnung der Vorvergangenheit ohne Rücksicht auf ihre Vollendung oder Nichtvollendung in Bezug auf die nachfolgenden Vorgänge. Das Plusquamperfekt bezeichnet sowohl einen solchen Vorgang, der zum Beginn des folgenden Vorgangs gänzlich abgeschlossen ist, als auch einen solchen, der noch andauert, während der folgende schon im Gande ist: Seine Frau – die Trauung hatte vor einigen Tagen in aller Stille stattgefunden – trippelte mit kleinen Schritten heran. (Bredel). Bei ihrem Eintritt hatte die Tochter einen Seufzer der Erleichterung ausgestoßen. Jetzt war alles nicht mehr so arg (Bredel).

Die Fähigkeit des Perfekts, in die präsentische Gegenwart, des Plusquamperfekts, in die präteritale Vergangenheit hineinzuragen, ist eine der Vorbedingungen für den Übergang in der zusammenhängenden Erzählung von diesen zusammengesetzten Zeitformen zum Präsens bzw. zum Präteritum, also zu den Zeitformen, die in dieser Redegattung sozusagen als zeitliche Ruhelage erscheinen. Da es sich dabei gewöhnlich auch um den Ausdruck der relativen Zeitverhältnisse handelt, so wird das allgemeine Bild des Tempus Gebrauchs im Deutschen außerordentlich bunt. Besonders kompliziert wird es bei dem Gebrauch des Perfekts und Plusquamperfekts als absoluter Zeitformen, da hier die verschiedenen Zeitstufen in der Vergangenheitssphäre formell nicht scharf voneinander geschieden werden: als Vorvergangenheit können hier alle drei Vergangenheitsformen erscheinen.

Denn Übergang vom Präteritum zum Plusquamperfekt und dann wieder Präteritum findet man im folgenden Beispiel: Hiebei schützte ihn eine Eigenschaft, welche, sonst nicht landeüblich, ihm einstweilen wohl zustatten kam. Er hatte seine Lehrzeit und einige Jahre darüber nämlich in einer größeren Stadt bestanden und war dort Mitglied eines Vereins junger Comptoiristin gewesen, welcher sich wissenschaftliche und ästhetische Ausbildung zur Aufgabe gestellt hatte. Da die jungen Leute ganz sich selbst überlassen waren, so übernahmen sie sich und machten allerhand Dummheiten. Sie lasen die schwersten Bücher und führten eine verworrene Unterhaltung darüber; sie spielten auf ihrem Theater den Faust und den Wallenstein, den Hamlet, den Lear und den Nathan; sie machten schwierige Konzerte und lasen sich schreckbare Aufsätze vor, kurz, es gab nichts, an das sie sich nicht wagten (Keller).

Wenn das Perfekt als absolute Vergangenheitsform oder überhaupt als Hauptform des Berichtes gebraucht wird, drückt man die Vorvergangenheit in der Form des Plusquamperfekts oder das Perfekts aus, ganz selten in der Form Präteritums. Vgl. Der Platzschuster ist, ehe er das Haus angetreten hat, ein Gemsenwildschütze gewesen und hat überhaupt in seiner Jugend, wie die Gscheider sagen, nicht gut getan. Er war in der Schule immer einer der besten Schüler gewesen, hatte dann von seinem Vater das Handwerk gelernt, ist auf Wanderung gegangen und ist endlich wieder zurückgekehrt. Statt, wie es sich für einen Gewerbsmann ziemt und wie sein Vater es zeitlebens getan, einen schwarzen Hut zutragen, tat er einen grünen auf, steckte noch alle bestehenden Federn darauf und stolzierte mit ihm und mit dem kürzesten Lodenrocke herum, während sein Vater immer einen Rock von dunkler, womöglich schwarzer Farbe hatte, der auch, weil er einem Gewerbsmanne angehörte, immer sehr weit herabgeschnitten sein musste (Stifter).

Auf die Wahl der Vergangenheitsformen des Verbs wirken auch rhythmische Gründe, was besonders H. Paul betont (IV, 153 – 155). Auf diese Weise erklärt sich z. B. nach Paul der Wechsel bei Schiller: Wir waren Troer! Troja hat gestanden. Es scheint auch, dass die Verben mit trennbaren Vorsilben oder ähnliche Formen der Zusammensetzung in Hauptsätzen und selbstständigen Sätzen (in der Literatursprache) weniger geneigt sind, in den zusammengesetzten Formen aufzutreten, als andere Verben: sie bilden den verbalen Satzrahmen auch ohne Verwendung von Hilfsverben. Auch die Negation nicht wirkt in derselben Richtung. Vgl. Ich liebt‘ ihn nicht. Er war der reiche Mann und lockte des Armen einziges Schaf zur bessern Weide herüber. Ich hab‘ ihn nie verflucht… (Goethe.)

So wird der Gebrauch der Zeitformen der Vergangenheit im Deutschen von dem Zusammenwirken mehrerer Faktorengeregelt, die, oft sogar in entgegengesetzter Richtung wirkend, die Wahl der Form beeinflussen. (Vgl. Рябова.)

Auch die Reihenfolge der Verben ist für die Wahl der Zeitformen von großer Bedeutung. Wenn in der Erzählung die Vorgänge in der Reihenfolge erwähnt werden, wie sie geschehen sind, so genügt Beibehaltung einer und derselben Zeitform (in der Sphäre der Vergangenheit gewöhnlich des Präteritums), um den zeitlichen Verlauf festzustellen. Wenn aber die Reihenfolge der Verben mit dem tatsächlichen Verlauf nicht zusammenfällt, so müssen die relativen Zeitformen verwendet werden. Falls sie aber nicht ausreichen, so dient oft die Abwechslung der Formen als solche zur Bezeichnung der Ungleichzeitigkeit. Wie oben schon aufgeführt wurde, kann sogar ein Präteritum die Vorzeitigkeit in Bezug auf das Plusquamperfekt ausdrücken (oft mit Hilfe von Adverbialbestimmungen): Frau Hardekopf hatte die bucklige Nachbarin Frau Bollers, die nicht schnell genug Platz machte, beiseitegeschoben (Bredel). Oder die Ungleichzeitigkeit bleibt überhaupt grammatisch unbezeichnet und wird nur aus dem Kontext verständlich.












5. Über das Tempus


Das Tempus [tɛmpʊs] (lat. Zeit; Plural: Tempora [tɛmpɔra]) ist eine Grammatische Kategorie, die, relativ zu einem wirklichen oder angenommenen Sprechzeitpunkt, die zeitliche Lage der Situation angibt, die vom Satz bezeichnet wird. Viele Sprachen unterscheiden als Tempora die Zeitstufen Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft, es existieren jedoch auch Systeme mit wenigem oder mit mehr Unterscheidungen. Tempus erscheint meist als Flexionsform eines Verbs. Die Verankerung an der Sprechsituation ist charakteristisch für die Kategorie Tempus und bildet den Hauptunterschied zur Kategorie  (bei der es um Eigenschaften der Situation für sich genommen geht, wie etwa Vollendung).

Das Präteritum (lat. praeteritum „das Vorhergegangene“), oft auch 1. Vergangenheit genannt und früher als Imperfekt bezeichnet, ist die Vergangenheitsform, die abgeschlossene Ereignisse beschreibt − nicht nur im Deutschen. In Österreich wird alternativ dazu der Name „Mitvergangenheit“ verwendet. Ich lief, du lachtest oder es regnete sind Beispiele für Verben im Präteritum. Es ist die hauptsächliche Erzählform in Romanen und Berichten. In den Mundarten und der Alltagssprache in der Mitte und im Süden des deutschen Sprachgebiets ist das Präteritum bis auf Reliktformen (war und wollte) verschwunden, während es im Norden Deutschlands – recht stark vom Perfekt abgegrenzt – auch in mündlicher Sprache benutzt wird.

Die Bezeichnung „Imperfekt“ oder ihre deutsche Übersetzung „unvollendete Vergangenheit“ (frz. imparfait) bezieht sich auf die französische Philologie, welche die deutsche Sprachwissenschaft beeinflusst hat. Sie ist für das Präteritum des Deutschen irreführend, weil die synthetisch gebildete Vergangenheitsform hier nicht oder nicht ausschließlich die „unvollendete Vergangenheit“ bezeichnet. Daher wird die Bezeichnung Präteritum bevorzugt.


6. Das Präteritum

6.1 Sprachgeschichten


Sprachwissenschaftlich ist das Imperfekt die Vergangenheitsform, die vom Präsensstamm gebildet wird (wie im Lateinischen und noch heute das Imparfait im Französischen) und somit aspektuell als imperfektiv  gekennzeichnet ist, im Unterschied zu den beiden anderen Verbalformen, die Vergangenheitsbedeutung haben können, dem Aorist und dem Perfekt, für die es in den indogermanischen Sprachen für jedes Verb jeweils eigene Tempusstämme gibt. Die älteren indogermanischen Sprachen besitzen diese dreifache, aspektuelle Differenzierung der Vergangenheitstempora (Tempora Präterita), sie ist aber in vielen neueren Sprachen verlorengegangen. Sprachgeschichtlich ist die Vergangenheitsform im Germanischen aus dem Zusammenfall von Aorist- und alten Perfektformen – die mit dem „Perfekt“ der heutigen deutschen Grammatik nichts zu tun haben – entstanden, weshalb „Präteritum“ auch aus diesem Grund eine angemessene Bezeichnung darstellt.

Wenn in einer Sprache nur ein Vergangenheitstempus vorliegt, ist nicht von einem Imperfekt, sondern von einem Präteritum zu sprechen, weil diese Verbform dann sowohl das Abgeschlossene als auch das Unabgeschlossene sowie das „Unbestimmte“ bezeichnen muss, was bei einer Aspekt Differenzierung in der Vergangenheit auf die Verbformen Perfekt, Imperfekt und Aorist funktionell verteilt würde. Trotzdem wird z. B. bei der Vergangenheitsform des Pali von einem Aorist gesprochen, obwohl dieser Begriff nach dem Verlust von Perfekt /Imperfekt nicht mehr gerechtfertigt ist.






6.2. Bildung des Präteritums in der deutschen Sprache

 

Schwache und starke Verben werden unterschiedlich konjugiert.

An den Verbstamm schwacher Verben wird -te angehängt, darauf folgt die jeweilige Personalendung. Die 1. und die 3.Person Singular sind immer gleich. Verben, deren Stamm auf t, d oder Konsonant +n/m endet, haben vor der Endung eine.

Starke Verben erfahren einen Lautwechsel. Der Stammvokal wird ausgetauscht (so genannter Ablaut), manchmal ändert sich auch der folgende Konsonant. Die Endungen (Wortendungen) werden dennoch, ähnlich wie bei schwachen Verben, nach stets gleichen Regeln hinzugefügt.


6.3. Graphische Darstellung








6.4. Beispiele


Konjugation

schwach

schwach

stark

stark

Verb

lachen

reden

fahren

nehmen

ich

lachte

redete

fuhr

nahm

du

lachtest

redetest

fuhrst

nahmst

er/sie/es

lachte

redete

fuhr

nahm

wir

lachten

redeten

fuhren

nahmen

ihr

lachtet

redetet

fuhrt

nahmt

sie

lachten

redeten

fuhren

nahmen


6.5. Besonderheiten


Manche unregelmäßige Verben haben eine Tendenz, in allen Zeitformen regelmäßig gebildet zu werden. In der Umgangssprache wirkt sich dies früher aus. So werden einige Verben gerne schwach gebeugt, auch wenn sie in der meist etwas traditionelleren Schriftsprache heute noch zu den starken Verben gehören. Bei vielen anderen einst starken Verben ist die schwache Beugung heute auch in der Schriftsprache zum Standard geworden:

Früher: Der Hund boll.

Heute: Der Hund bellte.

Allerdings kommt auch das Gegenteil vor. So ist bei winken die schwache Flexion die herkömmliche, die vom umgangssprachlich stark gewordenen Partizip II gewunken bedrängt wird. Auf dialektaler Ebene kommt der Wechsel von schwacher zu starker Flexion gar nicht so selten vor; im Zürich deutschen z. B. sind im Laufe des 20. Jahrhunderts die Verben melden, stimmen, täuschen und  Überzeugenteils alternativ, teils zwingend stark geworden, nachdem in früherer Zeit schon etliche andere diesen Weg gegangen sind.

Bisweilen kann bei Verben sowohl die schwache Form (hängen – hängte) als auch die starke Flexion (vgl.: hängen – hing) verwendet werden. Das kann einerseits daran liegen, dass die starke Konjugation langsam aber sicher verschwindet, andererseits kann durch unterschiedliche Verwendung ein Bedeutungsunterschied signalisiert werden: Otto hängte die Pelzmütze an den Haken, danach hing die Mütze dann den ganzen Sommer dort. Der Blitz erschreckte ihn und auch sie erschrak.

In diesen Fällen mit Bedeutungsunterschied ist meist das intransitive, starke Verb die Grundform und das transitive ein davon abgeleiteter Kausativ, der grundsätzlich schwach gebeugt wird. Beispiel: ich fiel (intransitiv, stark) und davon abgeleitet der Kausativ ich fällte = ich machte etwas fallen (transitiv, schwach). Nicht in dieses Schema passt schleifen mit den Präteritumsformen schliff/schleifte, die ganz unterschiedliche Bedeutung haben: Das Messer wurde geschliffen (geschärft), aber die Mauer wurde geschleift (zerstört), aber auch (im Aktiv): er hat den sich sträubenden Hund zum Tierarzt geschleift (hinter sich hergezogen). Wieder ein anderes Schema bildet bewegt/bewogen: Was bewog ihn dazu, anzupacken, sodass der Stein sich bewegte?


6.6. Funktion


In nichtliterarischen Texten wie z.B. Berichten drückt das Präteritum Handlungen und Vorgänge aus, die in der Vergangenheit abgeschlossen wurden und keinen unmittelbaren Bezug zur Gegenwart haben. Besteht ein Bezug zur Gegenwart, wird dagegen das Perfekt benutzt. Beispiel: In einer Autobiographie finden wir den Satz „Ich studierte in München Germanistik“, der eine frühere Handlung bzw. den Handlungsrahmen einer erzählten Geschichte ausdrückt. In einer Bewerbung wird man diesen Satz nicht finden, da der Bezug zur Gegenwart wichtig ist, selbst wenn der Vorgang schon länger zurückliegt. Es wird deshalb Perfekt verwendet: „Ich habe in München Germanistik studiert.“

In literarischen Texten, insbesondere Romanen, ist das verwendete Erzähltempus das Präteritum, das hier jedoch die Gegenwart innerhalb der erzählten Geschichte ausdrückt. In der Erzählung gibt es kein Perfekt – es sei denn, der Roman ist im Präsens geschrieben. Vergangenes wird mit dem Plusquamperfekt ausgedrückt.

In der gesprochenen Sprache gibt es Unterschiede zwischen dem Norden und dem Süden des deutschen Sprachraums. Bereits im 16. Jahrhundert setzte sich im Oberdeutschen das Perfekt gegen das Präteritum als Vergangenheitsform durch. Ein wichtiger Grund hierfür war, dass auf Grund des Wegfalls von -e am Wortende die schwachen Präteritumsformen mit der 1. Person Singular des Präsens verwechselt wurden, z.B. macht(e) – macht. Mit Ausnahme des  Schweizerdeutschen, wo es überhaupt kein Präteritum mehr gibt, sind allerdings die Präteritumsformen von sein sowie der Modalverben, die sich phonetisch deutlich vom Präsens der 3. Person unterscheiden, auch hier in der gesprochenen Sprache lebendig geblieben.

Im niederdeutschen Sprachraum wie auch im Mitteldeutschen wird nach wie vor das Präteritum verwendet. In Zusammenhang mit den Massenmedien breitet sich jedoch seit Mitte des 20. Jahrhunderts in der nichtmundartlichen Umgangssprache auch in Norddeutschland das Perfekt aus, was mit einem gleichzeitigen Rückgang der traditionellen Mundarten in diesen Regionen einhergeht.












7. Das Perfekt


Der Ausdruck Perfekt (von lat. perfectum – ‚vollendet‘) ist ein grammatischer Terminus, der einen Aspekt oder ein Tempus eines Verbs bezeichnen kann. Er wird auch 2. Vergangenheit genannt.

Das Perfekt als Verbalaspekt entspricht dem perfektischen Aspekt in Sprachen, die für diesen Aspekt keine eigenen Morpheme haben; das temporale Perfekt ist ein Tempus der Gegenwart oder der Vergangenheit.

Es wurde für das Urindogermanische als einer der drei dort vorhandenen Aspekte, die im Protoindoeuropäischen die wichtigste Verbalkategorie darstellen, rekonstruiert. Die Aspekte sind im Altgriechischen noch komplett erhalten, im Neugriechischen immer noch stark hervortretend. Die altitalischen Sprachen sehen das Perfekt hingegen schon als Tempus. Seit dem Lateinischen, wo der Aorist mit dem Perfekt zusammengefallen ist, sind der aoristische und der perfektische Aspekt dem Tempus Perfekt in vielen indogermanischen Sprachen eindeutig zugeordnet.

Für das Deutsche empfiehlt die Duden-Grammatik von 2005, den Ausdruck nur als Namen für die 2. Vergangenheit aufzufassen.


7.1. Bildung des Perfekts im Deutschen


Das deutsche Perfekt wird analytisch gebildet, es ist eine zusammengesetzte Verbform aus der Personalform der Hilfsverben „haben“ oder „sein“ und dem aussagenden Verb. Das Hilfsverb wird im Präsens konjugiert. Das aussagende Verb steht stets im Partizip II und ist daher in jeder Person gleich.

Perfekt mit „haben“ oder „sein“ 

Im Deutschen wird das Perfekt der überwiegenden Anzahl von Verben mit dem Hilfsverb „haben“ gebildet, unter anderem bei allen transitiven sowie bei reflexiven bzw. reflexiv gebrauchten Verben.

Mit dem Hilfsverb „sein“ wird das Perfekt einer Gruppe von intransitiven oder intransitiv benutzten Verben gebildet, die eine Ortsänderung(„von A nach B“: kommen, gehen, fahren, springen …) ausdrücken. Diese Verben werden als Bewegungsverben bezeichnet. Beispiel: „Ich bin mit dem Auto gefahren“ – aber: „Ich habe dich gefahren.“ Auch eine Gruppe von Verben, die eine Zustandsänderung (Übergang von einem Zustand in einen anderen) ausdrücken (aufwachen, sterben, verwelken), bilden das Perfekt ebenfalls mit „sein“.

Regionale Unterschiede gibt es bei der Bildung des Perfekts von Verben der Position (stehen, sitzen, liegen etc.) – im nördlichen Teil Deutschlands mit „haben“ gebildet, in Österreich, der Schweiz und weiten Teilen Süddeutschlands jedoch mit „sein“ (ich bin gestanden, er ist gesessen). Beides gilt als korrekt. Für übertragene Wortbedeutungen („er hat gesessen“ = „er war im Gefängnis“) werden die Formen mit „haben“ im süddeutschen Sprachraum jedoch ebenfalls benutzt.


7.2. Beispiele für die Konjugation


arbeiten“ (Aktiv) 

ich habe gearbeitet = vor fünf Minuten habe ich gearbeitet

du hast gearbeitet = vor fünf Minuten hast du gearbeitet

er/sie/es hat gearbeitet = vor fünf Minuten hat er/sie/es gearbeitet

wir haben gearbeitet = vor fünf Minuten haben wir gearbeitet

ihr habt gearbeitet = vor fünf Minuten habt ihr gearbeitet

sie haben gearbeitet = vor fünf Minuten haben sie gearbeitet

Infinitiv Perfekt Aktiv: 

gearbeitet haben

gesucht werden“ (Passiv) 

ich bin gesucht worden

du bist gesucht worden

er/sie/es ist gesucht worden

wir sind gesucht worden

ihr seid gesucht worden

sie sind gesucht worden

Infinitiv Perfekt Passiv:

gesucht worden sein

gehen“ (Aktiv) 

ich bin gegangen = vor fünf Minuten bin ich gegangen

du bist gegangen = vor fünf Minuten bist du gegangen

er/sie/es ist gegangen = vor fünf Minuten ist er/sie/es gegangen

wir sind gegangen = vor fünf Minuten sind wir gegangen

ihr seid gegangen = vor fünf Minuten seid ihr gegangen

sie sind gegangen = vor fünf Minuten sind sie gegangen

Infinitiv Perfekt: gegangen sein


7.3. Funktion und Gebrauch des Perfekts im Deutschen


Die Perfektform wird im Deutschen in unterschiedlicher Bedeutung verwendet:

als Vorzeitigkeitstempus im Verhältnis zum Präsens (Präsensperfekt);

als Erzähl- oder Berichtsmodus eines abgeschlossenen Geschehens (statt des Präteritums);

Das Perfekt als Tempus der gegenwartsbezogenen Vergangenheit (Präsensperfekt) 

Das Perfekt wird für Sachverhalte verwandt, die (relativ zur Betrachtzeit) in der Vergangenheit abgeschlossen wurden, deren Ergebnis oder Folge aber noch relevant sind. Der Gegenwartsbezug in den folgenden Beispielen unterscheidet das Perfekt vom Präteritum.


Beispiele:

Der Kläger hat den Antrag … gestellt. (Und über diesen ist jetzt im Urteil zu entscheiden.)

Die Kollegin hat sich beim Skifahren ein Bein gebrochen. (Und trägt noch Gips.)

Es hat geregnet. (Und die Wiese ist noch nass.)

Die Duden-Grammatik spricht von Präsensperfekt.

Da das Präsens im Deutschen auch zum Ausdruck zukünftiger Sachverhalte benutzt werden kann, ergibt sich, dass der Bezug eines Präsensperfekts ebenfalls in die Zukunft verschoben sein kann. Die Konstruktion ist dann gleichbedeutend mit einem Futur II, d.h. bezeichnet eine Situation, die zu einem bestimmten zukünftigen Zeitpunkt als abgeschlossen dargestellt wird:

Beispiele:

In zwei Monaten macht sie ihre letzte Prüfung = "In zwei Monaten wird sie ihre letzte Prüfung machen"

In zwei Monaten hat sie ihr Examen geschafft. auch = "In zwei Monaten wird sie ihr Examen geschafft haben."

In derselben Weise erklärt sich das Plusquamperfekt als eine Verschiebung der betrachteten Zeit in die Vergangenheit, ausgedrückt durch die Vergangenheitsform des Hilfsverbs "haben / sein". Von diesem Zeitpunkt aus wird dann eine Situation als noch früher abgeschlossen dargestellt:

Beispiele

Vor zwei Monaten hat sie ihre letzte Prüfung abgelegt (Rückblick von der Gegenwart aus)

Zwei Monate zuvor hatte sie ihre letzte Prüfung abgelegt (Rückblick von einem vergangenen Zeitpunkt aus).

Die Verwendung des Perfekts als sogenanntes "Präsensperfekt" ist daher kein deiktisches Tempus, das an den Zeitpunkt der Sprecheräußerung geknüpft ist, sondern ein rein relative Zeitangabe, die eher als Aspekt zu klassifizieren ist, da dieser seinerseits noch in verschiedener Weise mit der Sprechzeit in Beziehung gesetzt wird.


7.4. Das Perfekt als Vergangenheitstempus (im Mündlichen/Dialektalen)


Das Perfekt stellt im gesprochenen Deutsch die herrschende Verbform für die Beschreibung von Vergangenem dar, z. B. im Satz „Ich habe gegessen“. Im Schweizerdeutschen und anderen oberdeutschen sowie westmitteldeutschen  Dialekten gibt es fast überhaupt keine Formen für das Präteritum. Das Perfekt wird hier grundsätzlich als Ersatz für das Präteritum verwendet. Die Grenze dieses Sprachphänomens lässt sich dabei teilweise sehr exakt bestimmen; sie folgt teilweise der Mainlinie und verläuft von Hof im Osten bis nach Aachen im Westen. Diese Entwicklung ist im Süden des deutschen Sprachraums bereits im 16./17. Jahrhundert eingetreten und wird auf den Ausfall des „e“ am Ende der Präteritumformen regulärer Verben zurückgeführt. Eindeutiger als „er sagt“ und „er sagte“erschien die Form „er hat gesagt“. Dies äußert sich darin, dass das Hilfsverb des Perfekts in allen Tempus- und auch Modusformen gebeugt werden kann, im Gegensatz etwa zum Futur-Hilfsverb "werden".

















8. Das Plusquamperfekt



Das Plusquamperfekt (aus lat. plus quam perfectum (tempus) „mehr als vollendet(e Zeit)“, Abkürzung: PQP), auch vollendete Vergangenheit, Vorvergangenheit oderdritte Vergangenheit genannt, ist ein Tempus. Es wird für den Zeitraum benutzt, der zeitlich vor einem Referenzpunkt in der Vergangenheit liegt, wobei sich der Referenzpunkt aus dem Kontext des Textes bzw. der Erzählung ergibt („Ich machte einmal eine Prüfung“). Um noch weiter in die Vergangenheit zurückzugreifen, wird das Plusquamperfekt verwendet („Ich hatte vorher für die Prüfung gelernt“). Das Plusquamperfekt verhält sich daher zum Präteritum ähnlich wie das Perfekt zum Präsens.

Nachdem ich mich für die Klausur vorbereitet hatte, war ich nicht mehr nervös. (erster Teilsatz greift zeitlich vor und steht im Plusquamperfekt, darauf folgt eine Aussage im Präteritum)

Sie waren sehr böse. Ich hatte wohl etwas falsch gemacht. (erster Satz Präteritum, zweiter Satz Plusquamperfekt)

Das Plusquamperfekt kommt unter anderem in den indogermanischen Sprachen und den finno-ugrischen Sprachen vor. Es ist im Deutschen die am seltensten benutzte Vergangenheitsform. In einigen regionalen Dialekten (z. B. im Rheinischen und im Berlinischen) wird es oft als normale Erzählzeit (statt Perfekt oder Präteritum) verwendet. Die meisten Dialekte in Süd  und Norddeutschland, Österreich und der Schweiz benutzen dieses Tempus nie oder nur selten. Zumindest in Teilen Österreichs, Süddeutschlands und der Schweiz wird es in der Umgangssprache durch das doppelte Perfekt („wir haben schon (ge)gessen gehabt“) ersetzt.

Die Bildung des Plusquamperfektes ähnelt der des Perfekts. Es wird gebildet durch ein temporales Hilfsverb (sein, haben) und das Partizip Perfekt des Hauptverbes. Im Unterschied zum Perfekt steht das Hilfsverb jedoch im Präteritum (war, hatte).


Beispiel „spielen“ 

Singular

ich hatte gespielt

du hattest gespielt

er/sie/es hatte gespielt

Plural

wir hatten gespielt

ihr hattet gespielt

sie hatten gespielt

Beispiel „gehen“ 

Singular

ich war gegangen

du warst gegangen

er/sie/es war gegangen

Plural

wir waren gegangen

ihr wart gegangen

sie waren gegangen

(bei Verben der Ortsveränderung wird es mit war gebildet)

Im Deutschen im Passiv 

Das Plusquamperfekt im Passiv wird mit einer Form von war → werden gebildet.

Beispiel „beißen“ 

Singular

ich war gebissen worden

du warst gebissen worden

er/sie/es war gebissen worden

Plural

wir waren gebissen worden

ihr wart gebissen worden

sie waren gebissen worden

Beispiel „beschimpfen“ 

Singular

ich war beschimpft worden

du warst beschimpft worden

er/sie/es war beschimpft worden

Plural

wir waren beschimpft worden

ihr wart beschimpft worden

sie waren beschimpft worden




































9. Schlussfolgerung


In dieser Arbeit habe ich mich hauptsächlich mit dem deutschen Tempus Präteritum auseinandergesetzt. Bei einem näheren Blick auf den aktuellen Forschungsstand erweist sich nämlich, dass die in der linguistischen Forschung vorhandene Beschreibung des temporalen Status des Präteritums nicht ganz vollständig bzw. adäquat ist. Vor allem wird die Tatsache, dass das Präteritum mitunter auch mit perfektischer Bedeutung auftritt, nur knapp behandelt.

Die zum Phänomen angeführten Beispiele sind selten, meist fehlt auch der gesamte Kontext für die Äußerung und es wird zudem fälschlicherweise behauptet, dass die perfektische Verwendung des Präteritums auf Hilfsverben beschränkt ist.

Ausgehend von diesen Mängeln habe ich die frühere Diskussion zum perfektischen Gebrauch des Präteritums ergänzt. Da ich bei der Veranschaulichung des Phänomens von Comries Einteilung der verschiedenen perfektischen Bedeutungen ausgegangen bin, habe ich gezeigt, dass das Präteritum in verschiedenen Typen von perfektischen Kontexten erscheint. Aus zahlreichen authentischen Beispielen (z. B. aus Tageszeitungen und Blogs) wurde auch ersichtlich, dass diese Anwendung des Präteritums nicht so selten ist, wie es die bisherigen Beschreibungen der Erscheinung in der Literatur vermuten lassen. Dabei ging außerdem hervor, diese Verwendung des Präteritums nicht nur Hilfsverben, sondern auch andere Verben betrifft.

Dabei ist außerdem die Frage aufgekommen, wie die Verwendung des Präteritums in perfektischen Kontexten eventuell begrenzt ist. Ich habe dazu einige mögliche einschränkende Faktoren angesprochen. Eine tiefere Analyse hierzu konnte ich im Rahmen dieser Arbeit allerdings nicht durchführen. Jedoch habe ich darauf aufmerksam gemacht, dass man sich bei einer solchen Untersuchung stets vor Augen halten sollte, dass der Präteritumschwund in diesem Zusammenhang höchst wahrscheinlich eine große Rolle spielt.



10. Literatur


  1. Wunderlich, Dieter,. Tempus und Zeitreferenz im Deutschen.. München: Hueber, 1970

  2. Zifonun, Gisela, Hoffmann, Ludger & Strecker, Bruno (red.) 1997. Grammatik der deutschen Sprache. Bd 3. Berlin: Walter de Gruyter

  3. Admoni, Wladimir, „Der deutsche Sprachbau“, Leningrad, 1960,

  4. Wesgerber, L “Vom Weltbild der deutschen Sprache, Die inhaltbezogene Grammatik, 1953,

  5. www. wikipedia.org/wiki/Präteritum.de

  6. www.wikipedia.org/wiki/Perfekt.de

  7. www.wikipedia.org/wiki/Plusquamperfekt.de


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